Das Sozialtherapeutische Rollenspiel (STR)
für psychosoziale Arbeit

Das STR ist eine eigenständige Methode für die Sozialtherapie, Erwachsenenbildung und Supervision. Es lässt sich von anderen Behandlungsweisen unterscheiden und orientiert sich an den Handlungsstrategien der Sozialen Arbeit und deren beruflicher Haltung. Dabei wird die Besonderheit der Klienten und Klientinnen in individuellen und sozialen Notlagen, in Krisen und extremen Lebenssituationen berücksichtigt. Man geht auf Voraussetzungen ein, die die Entstehung solcher Probleme bedingen und stellt Verhaltensweisen heraus, die Veränderungen einleiten und helfende Beziehungen ermöglichen.

Das STR bietet Spielformen zur Verbesserung...

  • der Selbst- und Fremdwahrnehmung
    (Wahrnehmungszentrierte Spiele)
  • des Sozialverhaltens in Gruppen
    (Gruppenzentrierte Spiele),
  • sowie der Wahrnehmung, Strukturierung und Lösung aktueller Probleme (Problemzentrierte Spiele).

Es arbeitet bevorzugt mit den gesunden Anteilen der Klienten und Klientinnen und zielt auf die Mobilisierung von deren Selbshilfe- und Selbstheilungskräften.

Das STR vermittelt sowohl diagnostische Hinweise, um eine psychosoziale Behandlung einzuleiten, wie es auch die Selbstwahrnehmung und den Reifungsprozess des Klienten bzw. der Klientin und den der Sozialarbeiterin bzw. des Sozialarbeiters mit beeinflusst.

Es ist in der Lage, Selbsterfahrung zu vermitteln und berufliche Situationen in der Supervision zu klären.

Durch das STR wird eine Erweiterung des Verhaltensrepertoires und eine zunehmende soziale Kompetenz erreicht.

 

Ziele...

Im Rahmen des Veränderungsprozesses werden folgende Ziele angesteuert:

  • die Wiederherstellung des Vertrauens in die eigene Kraft;
  • die Weckung schöpferischer Fantasie, die es erlaubt, Veränderung, die noch nicht geleistet werden kann, zu träumen;
  • das Mutmachen zum Fehler, der häufig erst den nächsten Lernschritt  möglich macht;
  • das Erfahren von Eigenmacht durch Handlung;
  • die Schulung der Wahrnehmung, der körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit;
  • die Differenzierung der Sensibilität Konflikten gegenüber und der Einfühlungsfähigkeiten in andere;
  • die Einübung von Rollen, die wir in unserer Gesellschaft zu spielen haben;
  • die Ermutigung zu nonkonformem Verhalten und die Zunahme der Fähigkeit, die damit verbundenen Konsequenzen richtig einzuschätzen und die eigene Belastbarkeit abzuwägen;
  • der Erwerb von Rollendistanz und die gleichzeitige Zunahme der Fähigkeit, divergente Spannungen auszuhalten;
  • das Kennenlernen zweckmäßiger Konfliktlösungsstrategien und der Fähigkeit, mit anderen zu kooperieren;
  • eine Zunahme der Fähigkeit zur Selbstdarstellung, zur Selbstbehauptung und, wenn notwendig, zur Selbstbegrenzung. (Stein 2009, Seite 16/17)

 

Unterscheidung zu anderen Methoden:

Das STR folgt erlernbaren festen Regeln:

Nur Einzelaspekte der Lebensgeschichte werden bewusstgemacht und behandelt. Die erinnerten Bilder und Situationen werden nicht interpretiert. Die einzelnen Gruppenmitglieder lernen, dem, was sie sehen und finden, selbst eine Bedeutung zu geben. Die Leitung kann aber rückmelden, wie es ihr mit einem solchen Erlebnis ergangen wäre.

Probleme werden strukturiert, das Machbare wird angegangen: Man beginnt bei dem, was der Klient bzw. die Klientin bereits kann.

Das Ziel wird klein gehalten: Welche kleinste Einheit ist veränderbar? Bei (zunächst) unveränderbaren Situationen wird überlegt, ob eine neue Einstellung dazu bezogen werden kann.

Die Gruppenmitglieder lernen sich solidarisieren, leisten sich gegenseitig Hilfe. Einmal "stützen" sie während des Spieles, zum anderen helfen sie mit eigenen Erfahrungen.

Es wird mit dem gesamten Repertoire der Sozialen Arbeit gearbeitet, wenn es um Hilfestellungen geht. Dabei werden Grenzen der Hilfe, wie sie z. B. durch das Recht bestehen, sinnvoll berücksichtigt.

Die Gruppenleitung hat Modellfunktion. Sie spielt immer mit, zeigt ihre Erlebnisse auf und stützt die Schwachen. Die Gruppenleitung steuert den Spielprozess durch eigene Beiträge und ist dabei immer echt, immer am anderen interessiert.

 

Die Spielformen

Wahrnehmungszentrierte Spiele...

zielen auf eine Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung und dienen ihrer Korrektur. Sie sind eingeteilt in Erlebnisspiele, Einfühlungsspiele und Fantasiebilder.

Die Erlebnisspiele konfrontieren mit Aspekten der eigenen Geschichte, dienen der Verdeutlichung und Korrektur der Selbstwahrnehmung, der Integration abgespaltener Erlebnisinhalte, der Annahme der eigenen Lebensgeschichte und der Sinngebung.

Einfühlungsspiele üben die Fremdwahrnehmung und deren Korrektur. Sie führen zur Differenzierung der Wahrnehmung, zur Rollendistanz und zur Identitätsdarstellung.

Fantasiebilder spiegeln unsere Wünsche und Bedürfnisse, erlauben stellvertretende Wunscherfüllung und bieten dem Tagtraum einen realen Rahmen, führen aber gleichzeitig immer wieder in die Realität.

Gruppenzentrierte Spiele...

arbeiten mit der aktuellen Erlebnissituation und all den Erfahrungen, die mit früheren Gruppen gemacht wurden. Es werden die Phasen der Gruppenentwicklung deutlich, Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern, Konflikte, der Umgang mit Normen und der Position der einzelnen und der Gruppenleitung usw. Sie sind eingeteilt in fantasieorientierte Gruppenspiele, realitätsorientierte Gruppenspiele, Beziehungsspiele und Gruppenspiegel. Die Verdeutlichung und Steuerung des Gruppenprozesses ist ein besonderes Anliegen der Spielleitung.

Problemzentrierte Spiele...

zielen auf Zunahme sozialer Kompetenz, vor allem auf Zunahme der Handlungskompetenz. Sie bearbeiten die Probleme der Gruppenmitglieder und beziehen sowohl die Erlebnis- wie auch die Handlungsebene mit ein. Sie sind eingeteilt in das Situationsspiel, die Gruppeneinfühlung, die Gesprächsführungen, die Verhaltensmodifikation und die Motivklärung.

Das Situationsspiel ermöglicht eine Situationsanalyse und die Entwicklung von zweckmäßigen Verhaltensstrategien.
Die Gruppeneinfühlung ermöglicht eine hohe Identifikation mit einer am Problem beteiligten zentralen Figur und zeigt eine breite Skala von Einfühlungsmöglichkeiten auf.

Die Gesprächsführungen dienen der Überprüfung des eigenen Gesprächsmodus, dem Erlernen von Kommunikationsstrategien und der Zunahme der Fähigkeit der Selbstdarstellung.

Das stützende Gespräch wird beim Mangel an Argumenten angewandt, das Gespräch mit stützenden Partnern beim Mangel an Mut zu sprechen, das Gespräch mit Verhaltensmodifikation reichert das Verhaltensrepertoire an, das Gespräch mit Feedback zeigt dem Gruppenmitglied auf, wie sein Vorgehen vom Gegenüber eingeschätzt wird.

Die Motivklärung zielt auf das Kennenlernen unterschiedlicher Motivationen für ein und dieselbe Handlung.

Anwendungen des STR in der Praxis

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel ist ein therapeutisches Verfahren der Sozialarbeit und im Rahmen der Weiterbildung "Sozialtherapie" an der Kath. Stiftungsfachhochschule München anerkannt.

Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage, in ihrem Arbeitsteam die therapeutische Führung zu übernehmen, mit differenzialdiagnostischen Erkenntnissen die psychosoziale Diagnose und Behandlung zu optimieren und die eigene Selbsterfahrung zu erweitern.

Das STR wird seit vielen Jahren mit großem Erfolg in folgenden Arbeitsbereichen angewandt:

  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Jugendhilfe und Erziehungsberatung
  • Arbeit mit Familien und Alleinstehenden
  • Suchtkrankenhilfe
  • Nichtsesshaften- und Straffälligenhilfe
  • Arbeit mit Frauen und Alleinerziehenden
  • Erwachsenenbildung
  • Altenhilfe, Behindertenhilfe
  • Arbeit mit Menschen in Lebenskrisen
Inhalt:

Das Sozialtherapeutische Rollenspiel (STR) für psychosoziale Arbeit

Ziele...

Unterscheidung zu anderen Methoden

Spielformen

Anwendungen in der Praxis

 

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